Brennnesselsamen sammeln und trocknen

Brennnessel-Blütenrispen im Gegenlicht zwischen den Blättern

Vom Feld ins Vorratsglas – mein Weg zum hausgemachten Kraftpaket

Jedes Jahr im Spätsommer, wenn die Brennnessel ihre unscheinbaren Blüten längst in kleine, dichte Samenstände verwandelt hat, ziehe ich mit Handschuhen und Schere los. Was für die meisten nur ein pieksendes Unkraut am Wegrand ist, ist für mich eine der ergiebigsten Wildpflanzen des Jahres. Aus den Blättern und Samen der Brennnessel werden am Ende zwei kleine Vitaminquellen für die kalte Jahreszeit. Wie ich dabei genau vorgehe, vom Sammeln über das Trocknen bis zur Weiterverarbeitung, und was daraus ernährungsphysiologisch so besonders macht, erzähle ich dir in diesem Beitrag. Alles Wissenswerte rund um Botanik, Geschichte und Heilwirkung der Pflanze findest du außerdem in meinem ausführlichen Brennnessel-Pflanzenportrait.

Weibliche und männliche Pflanzen unterscheiden

Die Brennnessel ist zweihäusig, das heißt, es gibt getrennt männliche und weibliche Pflanzen. Das ist beim Sammeln wichtig. Die männlichen Blüten stehen eher aufrecht und bilden später keine nennenswerten Samenstände. Die weiblichen Pflanzen dagegen bilden hängende, dicht besetzte Rispen aus winzigen Nüsschen (botanisch: Achänen, umgangssprachlich „Samen“). Und genau die möchte ich ernten.

Wann und wie du Brennnesselsamen erntest

Die Erntezeit für Brennnesselsamen reicht von Mitte Juli bis in den Oktober hinein. In den ersten Wochen sind die Samenstände noch grün und schmecken eher mild, fast wie unreife Nüsse. Ich warte lieber, bis sie sich braun gefärbt haben, dann sind sie am nährstoffreichsten. Zum Ernten schneide ich die ganzen Rispen mit einer Schere ab und sammle sie in einem Korb oder einer Schüssel. Handschuhe sind dabei empfehlenswert, denn frisch geerntet stecken noch alle Brennhaare in voller Kraft.

Trocknen im Dörrautomaten

Ich verteile die Samenstände und Blätter dünn auf mehreren Gestellen und lasse sie bei niedriger Temperatur im Dörrgerät trocknen, bis sie vollständig durchgetrocknet sind und beim Anfassen rascheln. Wer keinen Dörrautomaten hat, kann die Rispen auch mehrere Tage an einem warmen, luftigen, schattigen Ort auf Papier ausbreiten. Vollständig getrocknet lassen sich die Samenstände anschließend leicht von den Stielen trennen.

Brennnesselsamen auf Dörrgestellen trocknen, in der Kräutermühle zu Pulver mahlen und in Gläsern abfüllen –
vierteilige Bildcollage


Vom Dörrgut zum feinen Pulver

Für das Pulver kommen die getrockneten Blätter portionsweise in die elektrische Mühle und werden möglichst fein gemahlen. Danach wird das Pulver noch einmal durchgesiebt, bevor es zusammen mit den Samen in zwei beschriftete Schraubgläser wandert. Dunkel und trocken gelagert halten sich beide etwa ein Jahr.

Inhaltsstoffe und Wirkung

Brennnesselsamen enthalten bis zu 30 % Protein sowie wertvolle Omega-6-Fettsäuren, Vitamin E, Beta-Carotin, B-Vitamine, Vitamin C und K, Calcium, Zink, Kupfer und Antioxidantien.

Die Blätter wiederum liefern vor allem Eisen, Kalium, Kalzium, Vitamin C und Kieselsäure sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, die antioxidativ wirken.

Brennnesselblätter wirken harntreibend, stoffwechselanregend und entzündungshemmend; die Samen werden als stärkendes Tonikum bei Müdigkeit und zur Regeneration nach Krankheiten geschätzt.

Anwendungsmöglichkeiten

Das fertige Pulver und die Samen landen bei mir über dem Frühstücksmüsli, im Smoothie oder als würzige Prise in Suppen, Salaten und selbstgemachtem Pesto.

Roh und ungetrocknet solltest du weder Samen noch Blätter essen. Die feinen Brennhaare sorgen sonst für ein unangenehmes Brennen im Mund- und Rachenraum. Erst durch das gründliche Trocknen verlieren sie ihre reizende Wirkung.

Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Nebenwirkungen: Gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Völlegefühl, Übelkeit, Durchfall oder Blähungen; selten allergische Reaktionen wie Juckreiz, Hautausschlag oder Nesselsucht.

Kontraindikationen: Bei Ödemen infolge einer eingeschränkten Herz- oder Nierenfunktion darf keine harntreibende „Durchspülungstherapie“ mit Brennnessel erfolgen, da dies das Herz-Kreislauf-System beziehungsweise die Nieren zusätzlich belasten kann. Hier gehört die Behandlung in ärztliche Hände. In Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Anwendung vorsichtshalber vorher ärztlich abgeklärt werden.

Wechselwirkungen: Es sind keine relevanten Wechselwirkungen von Brennnesseln mit anderen Arzneimitteln bekannt. Bei gleichzeitiger Einnahme von entwässernden Medikamenten oder Blutverdünnern empfiehlt sich dennoch vorab eine ärztliche Rücksprache.

Viel Freude beim Sammeln!

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