Samhain – Wenn der Sonnenhirsch fällt und die Dunkelheit beginnt

Silhouette eines Hirschs mit Geweih vor einem nebligen Herbstwald in der Dämmerung, am Horizont ein schwacher goldener Schimmer.
Datum
31. Oktober – 1. November
Tierkreis
Skorpion, Schütze
Auch bekannt als
Keltisches Neujahr, Halloween
Art des Festes
Mondfest
Bedeutung
Die helle Zeit endet
Symbole
Kürbislaternen, Freudenfeuer, Besen, Erinnerungsstücke der Ahnen, Kessel
Passende Kräuter
Beifuß, Wermut, Weißdorn, Schlehe, Chrysantheme, Ringelblume, Brennnessel, Distel, Eberesche, Mistel, Eibe*, Tollkirsche*
Farben
Schwarz, Orange, Rot, Violett, Gold, Weiß
*Stark giftig, nur symbolisch, niemals innerlich.
Samhain-Poster mit Symbolen, Kräutern, Farben und Bräuchen zum Ausdrucken

Samhain als Poster

Alle Symbole, Kräuter und Bräuche auf einen Blick.

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Samhain bedeutet wörtlich „Ende des Sommers“, aber auch „Ende der hellen Zeit“ und „Ende des Jahres“. Es ist das wichtigste Fest im keltischen Jahreskreis und markiert den Beginn des Neujahrs. Ursprünglich wurde es zum Vollmond im November gefeiert, und zählt zu den Mondfesten. Dieses Jahr (2026) fällt der Vollmond auf den 24. November, also gut drei Wochen nach dem festen Termin, zu dem Samhain heute meist begangen wird, dem 31. Oktober und 1. November. Auch das heutige Halloween hat hier seine Wurzeln. Die lebendige, helle Zeit geht zu Ende und macht Platz für Ruhe, Dunkelheit und Einkehr.

Eine Zeit des Rückzugs

Mit Samhain legt sich der Nebel über das Land. Es ist eine düstere Zeit, in der sich alles nach innen wendet. Das Vieh kommt in die warmen Ställe, die Menschen ziehen sich in ihre Häuser zurück, und auch die Natur hat sich zurückgezogen. Die Sonne verliert an Kraft, ihr Jahreslauf hat den Höhepunkt überschritten, Licht und Lebenskraft schwinden.

Die alte Erzählung kennt dafür ein starkes Bild. Der Sonnenhirsch fällt durch den Schuss des Jägers, des schwarzen Herrn der Unterwelt. Auch die Gefährtin des Hirschs, die Vegetationsgöttin, führt er hinab in sein Reich unter der Erde. Mit ihr zieht sich alles Wachsen und Blühen in die Dunkelheit zurück.

Die Greisin Hel, Todesbotin und Wegbegleiterin

Im deutschsprachigen Raum steht die Große Göttin Holle im Zentrum des Jahreskreises. Zu Samhain zeigt sie sich als Greisin, als Hel oder Helja, als Todesbotin und Schützerin der Seelen in der Dunkelheit. Wie sie sich im Lauf des Jahres wandelt, kannst du im Beitrag über die Weiße Göttin im Rad der Zeit nachlesen.

Ihre zwei Seiten sieht man ihr schon an. Die alte Überlieferung beschreibt sie halb schwarz und halb von menschlicher Hautfarbe, ein Bild für ihr doppeltes Wesen. Sie ist furchteinflößend und wohlmeinend zugleich. Ihr Name geht auf ein altes Wort für „verbergen“ zurück, sie ist die Verborgene. Sie bringt die Dunkelheit mit sich, und ihr graues Haar hängt wie ein Nebelschleier über dem Land.

Wenn das Tor zur Anderswelt offen steht

Samhain ist eine Zeit des Übergangs, in der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders durchlässig ist. In der Samhain-Nacht steht das Tor zur Anderswelt weit offen, und die Seelen der Verstorbenen kommen näher. Sie können zu uns zurückkehren, und auch die Lebenden haben die Möglichkeit, Kontakt zur Anderswelt aufzunehmen.

Aus dieser Nähe sind Bräuche entstanden, die zum Teil bis heute lebendig sind. Zu Samhain ehrte man die Ahnen, indem man ihnen ein zusätzliches Gedeck mit ihren Lieblingsspeisen auf den Tisch stellte. Es heißt, wer die Toten speist, dem sind sie dankbar, und sie segnen das Haus. Noch heute legen manche Familien an Samhain ein solches Gedeck auf, als Geste des Gedenkens und der Ehrerbietung.

Dunkler Holztisch im Kerzenlicht, gedeckt für ein Abendessen, mit
Totenbrot, Kerzen und Beifuß, ein Platz bleibt für die Ahnen frei.
Symbolbild, mit KI erstellt

Halloween, Totenbrot und die Gaben für die Geister

Auch Halloween geht auf diese alten Bräuche zurück. In der Samhain-Nacht streifen die Geister der Toten umher und bitten um Gaben und Speisen. Früher schlüpften Erwachsene in ihre Rolle und baten um eine milde Gabe, meist Äpfel, Nüsse und Totenbrot. Heute sind es vor allem Kinder und Jugendliche, die verkleidet von Haus zu Haus ziehen und „Süßes oder Saures“ rufen. Wer etwas gibt, den segnen die Geister, wer sie abweist, muss mit Streichen und Spuk rechnen.

Später überlagerte die christliche Kirche das Fest mit Allerheiligen, und die Bräuche vermischten sich. Auch die Kürbislaterne, die ursprünglich eine Rübe war, und das Verkleiden sollen auf die keltischen Wurzeln zurückgehen.

Totenbrot (Allerseelenzopf)

Zutaten für einen Zopf

  • 500 g Weizenmehl (Type 405)
  • 250 ml Milch
  • 15 g frische Hefe (etwa ein Drittel Würfel)
  • 50 g Zucker
  • 100 g Butter
  • 1 Prise Salz
  • nach Belieben etwa 100 g Rosinen, am Vorabend in Wasser oder Rum eingelegt
  • etwas Milch zum Bestreichen, nach Belieben Hagelzucker

Zubereitung

Wer Rosinen mitbacken möchte, legt sie am Vorabend in Wasser oder Rum ein. Trockene Rosinen entziehen dem Teig Feuchtigkeit, und er wird weniger locker und luftig. Vor dem Verarbeiten gut abtropfen lassen.

Einen kleinen Teil der Milch lauwarm erwärmen und die zerbröckelte Hefe mit 1 TL Zucker darin auflösen. Die übrige Milch mit der Butter erwärmen, bis die Butter geschmolzen ist, und lauwarm abkühlen lassen. Zu heiß darf sie nicht werden, sonst leidet die Hefe.

Das Mehl mit dem restlichen Zucker und dem Salz in einer Schüssel mischen, Hefemilch und Milchbutter dazugeben und alles kräftig durchkneten, bis ein glatter, geschmeidiger Teig entsteht, der sich vom Schüsselrand löst. Abgedeckt an einem warmen Ort etwa eine Stunde gehen lassen, bis sich das Volumen deutlich vergrößert hat. Jetzt kommen bei Bedarf die abgetropften Rosinen dazu und werden kurz untergeknetet.

Aus dem Teig drei Stränge von je etwa 30 cm Länge rollen. Nach altem Brauch werden sie nur an den beiden Enden verflochten, in der Mitte laufen die Stränge nebeneinander. Den Zopf auf ein Blech mit Backpapier legen, mit einem Tuch bedecken und noch einmal 20 bis 30 Minuten ruhen lassen.

Den Zopf dünn mit Milch bestreichen, nach Belieben mit Hagelzucker bestreuen und bei 180 °C Ober- und Unterhitze auf mittlerer Schiene etwa 30 bis 40 Minuten goldbraun backen. Dunkelt die Oberfläche zu früh nach, mit Backpapier abdecken.

Das „Neunerlei Holz“

Ein besinnlicher Brauch ist das Räuchern mit dem „Neunerlei Holz„. Dafür sammelst du schweigend Zweige vom Waldboden, die bereits heruntergefallen sind. Die Gehölze tragen eine schützende Kraft in sich, etwa Fichte, Wacholder, Birke, Eberesche oder Hasel, und je nach Anliegen stellst du die Mischung anders zusammen. Mehr dazu erfährst du in einem eigenen Beitrag zum Räuchern an Samhain.

Pflanzen an der Schwelle zwischen den Welten

Zwischen Leben und Tod wächst an Samhain ein ganzer Kreis von Pflanzen, die seit jeher mit der Schwelle zur Anderswelt verbunden sind.

Der Beifuß gilt als die Pflanze der Seherinnen und wird traditionell zuletzt vor der dunklen Jahreszeit gesammelt, denn mit ihm schließt sich das Tor zur sichtbaren Erntezeit.

Die Mistel dagegen berührt den Boden nie, sie wächst zwischen Himmel und Erde auf den Ästen der Bäume und nimmt deshalb schon immer eine Sonderstellung ein. Eine Pflanze, die zu keiner Welt ganz gehört.

Der Apfel erzählt vom Kreislauf selbst, schneidet man ihn quer durch, zeigt sich im Inneren ein Pentagramm aus Kernen, ein altes Symbol für Leben, Tod und Wiedergeburt.

Die Eibe schließlich gilt vielen Kulturen als Todesbaum schlechthin, sie wird uralt, oft Jahrhunderte, und wächst traditionell auf Friedhöfen. Dabei ist fast jeder Teil des Baumes hochgiftig, nur ihr roter Fruchtmantel ist es nicht.

Und auch die Tollkirsche, deren Name die tödliche Wirkung bereits trägt, war einst Teil dunkler Rituale, mit denen man den Schleier zur Anderswelt zu lüften suchte.

Fünf Pflanzen, die auf ihre eigene Weise zeigen, dass der Tod kein Ende ist, sondern Teil eines größeren Kreislaufs.

Samhain feiern

Vielleicht ist Samhain für dich der Moment, einen Rückblick auf das vergangene Jahr zu wagen. Loszulassen, was nicht mehr trägt, und die Namen jener auszusprechen, die du vermisst. Decke einen Teller mehr am Tisch, für jene, die nicht mehr bei dir sind, oder stelle eine Kerze ans Fenster, als Wegweiser durch die Dunkelheit. Schreibe auf, was du loslassen möchtest, und verbrenne den Zettel in einer Feuerschale, oder binde dir ein kleines Bündel aus Beifuß und hänge es an die Tür, als stillen Schutz für die kommenden dunklen Monate. Und wenn die Nacht ganz still wird, lausche einen Moment hinein. Vielleicht spürst du dann, wie nah die Anderswelt an diesem Abend wirklich ist.

Handgezeichnete Illustration: Eine brennende Kerze im Fenster neben einem Bündel Beifuß in einer Samhain-Nacht

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