Mabon – wenn Licht und Dunkel sich noch einmal die Waage halten

Datum
20.–23. September
Auch bekannt als
Alban Elfed, Erntedank
Art des Festes
Sonnenfest · Herbst-Tagundnachtgleiche
Bedeutung
Licht und Dunkel halten sich noch einmal die Waage
Symbole
Füllhorn, letzte Garbe, Herbstlaub
Passende Kräuter
Besenheide, Ringelblume, Sonnenblume, Rosmarin, Salbei, Thymian, Goldrute, Beifuß, Aster, Hopfen
Farben
Orange, Dunkelrot, Gold
Mabon-Poster mit Symbolen, Kräutern, Farben und Bräuchen zum Ausdrucken

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Alle Symbole, Kräuter und Bräuche auf einen Blick.

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Zur Herbst-Tagundnachtgleiche, meist zwischen dem 21. und 23. September, halten sich Tag und Nacht noch einmal exakt die Waage, bevor die Waagschale endgültig zur dunklen Jahreshälfte kippt. Dieses Fest trägt viele Namen. Die keltische Bezeichnung Alban Elfed bedeutet „Solstiz des Herbstes“, daneben sprechen viele von Erntedank, oder eben von Mabon, ein Name, der aus dem Walisischen stammt und so viel wie „der große Sohn“ oder „Sohn der Modron“ bedeutet.

Die Sage vom Sohn der Modron

Hinter dem Namen „Mabon“ steckt eine der ältesten walisischen Erzählungen. Mabon ap Modron (Sohn der Muttergöttin Modron), wurde ihr geraubt, als er erst drei Nächte alt war, und in einem verborgenen Kerker gefangen gehalten. König Artus und seine Gefährten machten sich auf die Suche nach ihm und befragten dafür die ältesten und weisesten Tiere der Welt, die Amsel, den Hirsch, die Eule, den Adler, bis sie schließlich beim uralten Lachs von Llyn Llyw landeten. Nur er wusste, wo Mabon gefangen war, und trug sie flussabwärts bis zu seinem Kerker in Gloucester, wo es ihnen gelang, ihn zu befreien.

Mabon steigt der Sage nach in die Unterwelt hinab und wird wiedergeboren, ein Bild, das genau in diese Jahreszeit passt. Auch die Natur zieht sich jetzt zurück, um im Dunkel neue Kraft zu sammeln, bevor sie im Frühling wieder ans Licht drängt.

Eine Zeit der Übergänge

Die Natur bereitet sich jetzt sichtbar auf den Rückzug vor, die Blätter färben sich, die ersten fallen schon von den Bäumen. Die meisten Zugvögel sind bereits in ihr Winterquartier aufgebrochen, der Almabtrieb wird festlich begangen und die Tiere dafür schön herausgeputzt. Das Gros der Ernte ist eingefahren, es bleiben noch Obsternte, Nussernte und Weinlese übrig. Je nach geografischer Lage beginnen die Erntedankfeste bereits Ende August, meist jedoch im September und Oktober. Auch die vielerorts stattfindenden Kirmesfeste sind ein Überbleibsel dieser alten Erntedankfeiern und Festschmäuse.Das Wintergetreide muss jetzt gesät werden, die Masttiere werden in die Wälder getrieben, um sich an Eicheln und Bucheckern zu weiden. Die Ernte wird eingelagert und haltbar gemacht für die kommende kalte Zeit. Der Gallustag am 16. Oktober gilt als letzter Tag für die Kartoffel- und Krauternte und als traditioneller Tag der Sauerkrautherstellung, ganz nach dem Spruch „Zum Heiligen Gallus das Kraut ins Fass muss!“

Das Füllhorn und die letzte Garbe

Das Symbol dieser Zeit ist das Füllhorn. Es steht für die (hoffentlich) gut gefüllten Speisekammern, die das Überleben im Winter garantieren, und gleichzeitig für die Bitte, dass auch das kommende Jahr wieder ertragreich ausfallen möge. So ist es Tradition, die letzte Garbe auf dem Feld stehen zu lassen, als Opfergabe an die Kornmutter und als Speise für die Vögel.

Matthäi, Wurzelstechen und Wetterregeln

Im christlichen Kalender ist der 21. September der Gedenktag des Evangelisten Matthäus. Matthäi gilt als der letzte Tag der hellen Jahreszeit. Kinder, die in dieser Nacht geboren werden, sollen der Überlieferung nach geistersichtig sein. Auch Wetterausblicke sollen an diesem Tag möglich sein. „Wie’s Matthäi treibt, das Wetter vier Wochen bleibt“, heißt eine alte Bauernweisheit, eine andere lautet „Tritt Matthäus stürmisch ein, wird’s bis Ostern Winter sein.“

In alten Kalendern ist für diesen Tag noch etwas anderes vermerkt. Matthäi soll der beste Tag zum Wurzelstechen sein. Wenn der oberirdische Teil der Pflanze abstirbt, zieht sich ihre Kraft in die Wurzel zurück, wer sie jetzt aussticht, holt sie aus dem Dunkel der Erde ans Licht und verbindet damit noch einmal Dunkel und Hell miteinander. Es hat fast den Anschein, als speicherten die gestochenen Wurzeln noch die Sonnenglut des Sommers in sich.

Besenheide, ein letzter Gruß des Sommers

Nun ist auch die Zeit gekommen, die Besenheide zu sammeln, die von August bis Oktober blüht. Als Tee aus dem getrockneten Kraut ist sie ein bewährtes Mittel bei Blasenentzündung, Rheuma und Gicht, auf die Psyche wirkt sie leicht beruhigend. Auch als Füllung für Kissen oder Matratzen wird sie geschätzt, der Schlaf darauf soll besonders erholsam sein und den Geist erfrischen. Besonders die seltene weiße Besenheide gilt seit jeher als Glücksbringerin, ein Kranz aus ihren Zweigen an der Tür soll Unglück fern halten.

Nahaufnahme eines blühenden Besenheide-Strauchs (Calluna vulgaris) mit zahlreichen kleinen, glockenförmigen Blüten in Rosa- und Lilatönen an schmalen, dicht benadelten Zweigen, im Sonnenlicht fotografiert.

Altweibersommer und die Fäden der Frau Holle

Mit der Tagundnachtgleiche beginnt der Altweibersommer, dessen Name, anders als es klingt, nichts mit alten Frauen zu tun hat. „Weiben“ ist schlicht eine alte Bezeichnung für „Weben“. Die feinen Fäden, die durch die Luft treiben und morgens mit Tau überzogen sind, gelten als die der Frau Holle, die das Spinnen wieder aufgenommen hat, und die Menschen tun es ihr nach. Die Arbeiten des Sommers sind getan, man zieht sich wieder ins Innere zurück, das Spinnen und Weben beginnt von Neuem. Nur das Holzfällen bleibt als Tätigkeit im Freien bestehen.

Auch die Herbstzeitlose beginnt jetzt zu blühen. Nach alter Tradition pflückte eine Spinnerin die erste Herbstzeitlose, die sie fand, und zerrieb sie zwischen den Händen, damit diese beim Spinnen nicht wund wurden. Den austretenden Saft strich man sich auf die Augenlider, um an den dunklen Winterabenden die Spinnarbeit bei Kerzenlicht besser verrichten zu können. Zur Vorsicht sei gesagt, die Herbstzeitlose ist hochgiftig, dieser Brauch ist als historisches Zeugnis zu verstehen, nicht als Anleitung.

Mabon feiern

Wenn du Mabon begehen möchtest, kannst du dich an seinen ältesten Themen orientieren. Dankbarkeit für das, was das Jahr getragen hat, ein Innehalten im Gleichgewicht von Licht und Dunkel, ein bewusster Rückblick auf das, was du gesät, gepflegt und geerntet hast, innerlich wie äußerlich. Vielleicht gestaltest du dir einen kleinen Altar mit Erntegaben, getrockneten Kräutern oder den ersten bunten Blättern, verräucherst Harze wie Myrrhe oder Zedernholz, oder bereitest mit deinen Lieben ein Erntemahl aus dem, was dein Garten gerade hergibt. Es sind die einfachen, jahreszeitlich naheliegenden Gesten, die diesem Fest am ehesten entsprechen.

Aquarell-Illustration eines prall gefüllten Füllhorns aus geflochtenem Korbgeflecht, aus dem eine üppige herbstliche Ernte quillt: Kürbisse in Grün- und Orangetönen, rote Äpfel, goldene Weizenähren, dunkle Trauben und blühende Besenheide in Rosé- und Lilatönen, alles zu einer dichten Komposition verwoben, vor warmem goldbraunem Hintergrund.

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