Die Ringelblume Calendula officinalis, oft auch als „Sonnenbraut“ oder „Goldblume“ bezeichnet, zählt zu den traditionsreichsten und vielseitigsten Heilpflanzen Europas. Mit ihrem sonnigen Leuchten ist sie nicht nur eine Zierde für jeden Garten, sondern blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte in der Volks- und Klosterheilkunde zurück.
Botanik und Vorkommen der Ringelblume
Die Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütler. Ursprünglich im Mittelmeerraum heimisch, verbreitete sie sich erst im Mittelalter in unseren heimischen Bauerngärten. Die krautige Pflanze kann bis zu 50 cm hoch werden und zeichnet sich durch filzig behaarte Stängel sowie wechselständig angeordnete, längliche Blätter aus. Sie bevorzugt sonnige, warme Standorte mit mäßig trockenen, schwach sauren und nährstoffreichen Böden.
Verwendete Pflanzenteile und Ernte
In der Heilkunde werden primär die Blüten (Calendulae flos) verwendet.
Die Zungenblüten werden oft kosmetisch genutzt, da sie milder duften. Die ganzen Blütenköpfchen enthalten einen höheren Anteil an antibakteriell wirkendem ätherischem Öl und werden daher eher für medizinische Zwecke verwendet.
Der optimale Erntezeitpunkt liegt an sonnigen Tagen kurz vor der Mittagszeit, wenn die Blüten voll geöffnet sind und die Wirkstoffkonzentration ihr Maximum erreicht.
Inhaltsstoffe und Heilwirkungen der Ringelblume
Ihre Heilkraft beruht auf einer Vielfalt bioaktiver Stoffe. Flavonoidglykoside und Carotinoide sorgen für die entzündungshemmende Wirkung und leuchtende Farbe, Triterpensaponine und Triterpenalkohole für die Wundheilung. Ergänzt wird das Spektrum durch wenig ätherisches Öl, Schleimstoffe und Cumarine.
Die Ringelblume ist eine wahre „Wundschließerin“.
Äußerlich angewandt als Öl, Creme oder Salbe, wirkt sie antibakteriell, antiviral und wundheilungsfördernd. Sie hilft bei Schürfwunden, Sonnenbrand, Narben, Akne und Neurodermitis. In der Babypflege schützt sie vor Windeldermatitis.
Innerlich angewandt als Tee oder Tinktur wirkt sie sanft krampflösend bei Menstruationsbeschwerden sowie schleimhautschützend bei Magen-Darm-Reizungen.
Wem die Kamille zu intensiv ist, oder den Geruch nicht mag, kann an ihrer Stelle einmal die Ringelblume als mildere Variante in den Rezepten ausprobieren.
Nebenwirkungen und Kontraindikationen der Ringelblume
Trotz ihrer Sanftheit gilt es auch bei der Ringelblume auf einiges zu achten:
- Allergien: Personen mit einer Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) sollten Calendula-Produkte vorsichtig testen, da juckende Ausschläge auftreten können. Das Risiko ist geringer, wenn nur die Zungenblüten ohne Kelchblätter verarbeitet werden.
- Wundversorgung: Bei tiefen, stark verschmutzten oder infizierten Wunden ist immer ärztlicher Rat einzuholen.
- Besonderer Hinweis für Tierhalter: Während Ringelblumen bei Hunden zur Pflege der Magenschleimhaut eingesetzt werden können, sind sie für Katzen giftig, da diese die ätherischen Öle nicht verstoffwechseln können
Historisches und Mythologisches zur Ringelblume
Ihr lateinischer Name Calendula (von lat. Calendae, dem Monatsersten) verweist darauf, dass sie fast das ganze Jahr blüht. In der ländlichen Tradition hat die Ringelblume seit jeher einen festen Platz als „Wetterprophet“. Sind die Blütenköpfe morgens nach 7 Uhr noch geschlossen, deutet dies auf baldigen Regen hin. Auch verliebte Mädchen nutzten sie historisch als Liebesorakel für das Spiel „Er liebt mich, er liebt mich nicht“.
Der medizinische Gebrauch der Ringelblume ist schriftlich erst ab dem 12. Jahrhundert sicher dokumentiert. In der Klostermedizin war Hildegard von Bingen die Erste, die die Pflanze, die sie „Ringula“ nannte, ausführlich beschrieb. Sie nutzte sie als „innerlich giftwidrig“ und empfahl sie äußerlich gegen Hautprobleme wie Ekzeme und Entzündungen. Ein bekanntes Rezept der Klostermedizin war die Mischung aus Ringelblumen und Schweinefett zur Pflege schuppiger Kopfhaut.
Als vermeintliches Krebsmittel wurde sie im 16. Jahrhundert durch den Botaniker Matthiolus dokumentiert und war bis ins 19. Jahrhundert unter dem Namen „Herba Cancri“ (Krebskraut) bekannt. Damals diskutierte man ihren Einsatz bei Brust- und Gebärmutterkrebs.
Interessanterweise stützen moderne Studien die historische Bezeichnung als „Krebskraut“ in Ansätzen. In-vitro-Untersuchungen zeigten zytotoxische Wirkungen bestimmter Inhaltsstoffe auf Darmkrebs- und Melanomzellen. Klinisch anerkannt ist heute zudem ihr Einsatz zur Vorbeugung von Hautentzündungen während einer Strahlentherapie bei Brustkrebs.

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