Besenheide – Ein letzter Gruß des Sommers

Blühende Besenheide (Calluna vulgaris) im Streiflicht am Waldrand

Wenn im Spätsommer die meisten Wiesenblumen längst verblüht sind, beginnt die Besenheide erst richtig zu leuchten. In zartem Rosa bis kräftigem Purpur überzieht sie Heideflächen, Waldränder und lichte Kiefernwälder und schenkt sowohl Insekten als auch uns eine der letzten großen Blütezeiten des Jahres. Sie ist aber nicht nur ein stimmungsvoller Anblick am Wegesrand, sondern auch eine Pflanze mit langer Tradition in der Volksheilkunde.

Botanischer Name Calluna vulgaris
Pflanzenfamilie Heidekrautgewächse (Ericaceae)
Volksnamen Heidekraut, Sommerheide, Erika
Verwendeter Teil Blühende Triebspitzen und Blüten
Standort Sonnige, saure Böden auf Heiden, an Waldrändern, in Mooren und Dünen
Optimaler Erntezeitpunkt August bis Oktober, zur Hauptblütezeit
Inhaltsstoffe Gerbstoffe, Arbutin, Hydrochinon, Flavonoide (u. a. Quercetin), Schleimstoffe

Botanik und Vorkommen

Die Besenheide ist die einzige Art ihrer Gattung Calluna und gehört zur Familie der Heidekrautgewächse. Als verholzender, immergrüner Zwergstrauch wird sie meist 30 bis 60 Zentimeter hoch, kann aber bis zu einem Meter erreichen, und wird erstaunliche 40 Jahre alt. Ihre kleinen, schuppenartigen Blättchen sitzen dicht an den Zweigen und tragen feine Härchen, die die Spaltöffnungen schützen, eine Anpassung an ihre kargen, oft windigen Standorte. Sie ist ein ausgesprochener Säurezeiger und wächst bevorzugt auf kalkfreien, sandigen Böden, wie man sie in Heiden, Mooren, Dünen und an lichten Waldrändern findet. Von August bis in den Oktober hinein öffnen sich die kleinen, glockenförmigen Blüten in Weiß- , Rosa- und Purpurtönen und machen die Besenheide zu einer der wichtigsten Bienenweiden des Spätsommers. Aus ihrem Nektar entsteht der charakteristische, gelartige Heidehonig.

Die glockenförmigen Einzelblüten und schuppenartigen Blättchen der Besenheide in Nahaufnahme

Inhaltsstoffe und Heilwirkung

In den blühenden Triebspitzen der Besenheide stecken vor allem Gerbstoffe, das harntreibende Arbutin, dessen Abbauprodukt Hydrochinon sowie Flavonoide wie Quercetin und Schleimstoffe. Diese Kombination verleiht ihr eine adstringierende, also zusammenziehende, sowie eine leicht antiseptische und harntreibende Wirkung. In der traditionellen Volksheilkunde wurde die Besenheide daher innerlich als Tee bei Blasen- und Nierenbeschwerden sowie bei Gicht und Rheuma eingesetzt, äußerlich fand sie in Form von Aufgüssen oder Tinkturen bei Hautausschlägen Verwendung. Auch eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung wird ihr seit jeher nachgesagt. Pfarrer Kneipp schätzte die Besenheide im 19. Jahrhundert wegen ihrer blutreinigenden Wirkung.

Besonderheiten und Mythologie

Der Name Heide leitet sich vom altgermanischen Wort kait für unbebautes, offenes Land ab. Genau dort ist die Besenheide seit jeher zu Hause. In keltischer und germanischer Überlieferung galt sie als Pflanze des Übergangs. Einer Legende nach soll sie aus dem Blut gefallener Helden gewachsen sein, die in den Ödländern starben, ein Sinnbild für Mut, Wandlung und Neubeginn. Vielleicht erklärt das, warum die Besenheide in Räucherritualen bis heute als Begleiterin von Übergangszeiten gilt, sie soll beim Loslassen des Alten unterstützen. Ganz praktisch wird getrocknete Besenheide auch als Füllung für Kissen oder Matratzen geschätzt, der Schlaf darauf soll besonders erholsam sein und den Geist erfrischen. Auch der seltenen weißen Besenheide wird seit jeher Glück nachgesagt, ein Kranz aus ihren Zweigen an der Tür soll Unglück fernhalten.

Weil ihre Bestände vielerorts durch Verbuschung und Nährstoffeintrag zurückgehen, wurde die Besenheide 2019 zur Blume des Jahres gekürt, auch als Erinnerung daran, wie schützenswert diese unscheinbaren Heidelandschaften sind.

Besenheide zwischen Herbstlaub, kurz vor dem Höhepunkt ihrer Blüte

Bitte beachte

Nebenwirkungen: In größeren Mengen genossen kann Besenheide-Tee zu Magenbeschwerden führen.

Kontraindikationen: Aufgrund unzureichender Datenlage sollte auf eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern vorsichtshalber verzichtet werden.

Wechselwirkungen sind keine bekannt.

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