Lammas und Lughnasadh sind die angelsächsischen und keltischen Namen für das erste Erntefest im Jahresreis, das meist am 01. August gefeiert wird. Wenn du dich mit den Bräuchen des Augusts beschäftigst, stößt du auf eine Verbindung aus keltischen Traditionen, angelsächsischen Riten und christlichen Umdeutungen.
Lughnasadh und die mythologischen Wurzeln
Der Name Lughnasadh bezieht sich auf den keltischen Gott Lugh. Er soll das Fest ursprünglich als Versammlung („nasadh“) zu Ehren seiner Pflegemutter Tailtiu ins Leben gerufen haben. Tailtiu starb der Legende nach an Erschöpfung, nachdem sie die Wälder Irlands gerodet hatte, um Ackerbau zu ermöglichen.
In der Natur markiert diese Zeit den Abschluss des Wachstums; der Fokus verlagert sich auf das Reifen und Versamen.
Zu den historischen Feierlichkeiten gehörten die Tailteann Games, ein olympia-ähnliches Fest mit sportlichen Wettkämpfen sowie Wettbewerben in Kunst und Handwerk.
Lammas – Das Fest des Brotes
In der angelsächsischen Tradition wird das Fest Lammas genannt, abgeleitet von hlafmaesse („Brotlaibmesse“). Aus dem ersten reifen Korn wurden Brote gebacken und gesegnet. Ein spezifischer Brauch sah vor, das Lammas-Brot in vier Teile zu brechen und diese in die Ecken des Getreidespeichers zu legen, um die Vorräte rituell zu schützen. Die zentrale Bedeutung des Getreides spiegelt sich bis heute in der englischen Sprache wider. Die Begriffe Lord (hlæford = Brotwächter) und Lady (hlæfdige = Brotkneterin) lassen sich auf diese sozialen Rollen zurückführen.
Soziale Bräuche – Die Probenehe
Ein markantes Element dieser Zeit war das sogenannte Handfasting oder die Probenehe. In Schottland und Irland war es üblich, dass Paare bei den Versammlungen im August eine Verbindung für ein Jahr und einen Tag eingingen. Nach Ablauf dieses Zeitraums konnten sie entscheiden, ob sie die Ehe dauerhaft besiegeln oder sich ohne rechtliche Verpflichtungen wieder trennen wollten. Diese Praxis war in den schottischen Highlands und auf den Inseln bis ins 17. Jahrhundert verbreitet, bevor sie gesetzlich verboten wurde.
Der Frauendreißiger und die Kräuterweihe
Ab Mitte August beginnt der Frauendreißiger (15.08. bis 14.09.), der als wichtigste Zeit für das Sammeln von Heilkräutern gilt. Es wird angenommen, dass Kräuter in dieser Phase eine besondere Wirksamkeit besitzen. Traditionell werden zu Maria Himmelfahrt Kräuterbuschen gebunden, deren Zusammensetzung oft einer christlichen Zahlenmystik folgt:
- 7 Kräuter für die Schöpfungstage,
- 9 für die Dreifaltigkeit (3×3),
- 12 für die Apostel,
- oder bis zu 99 als Symbol für die Vollkommenheit
Diese geweihten Buschen wurden früher im „Herrgottswinkel“ getrocknet. Wenn Mensch oder Vieh krank wurden, nutzte man die Kräuter als Arznei oder mischte sie unters Futter. Was bis zum nächsten Jahr nicht verbraucht wurde, übergab man dankend dem Feuer.
Meine Anregung für dich: Nutze diesen August, um innezuhalten. Backe vielleicht selbst ein Brot, sammle ein paar Kräuter für den Winter und bedanke dich bei der Natur für ihre Fülle.
Viel Freude beim Feiern deiner ganz persönlichen Ernte!

