Die Sonne im Fläschchen
Wenn die Tage am längsten sind und das Johanniskraut in vollem Saft steht, ist der ideale Zeitpunkt, um einen Vorrat an „flüssigem Sonnenlicht“ anzulegen. Das charakteristische Johanniskrautöl (von den alten Griechen auch Androsaimon – „Mannsblut“ – genannt) ist ein unverzichtbarer Begleiter für die natürliche Hausapotheke.
Das Geheimnis des Hypericins
Das Hypericin sitzt in den winzigen Öldrüsen der Pflanze und ist weit mehr als nur der Farbstoff, der beim Zerreiben der Blüten den charakteristischen roten Saft freigibt. Es zählt zu den medizinisch wertvollsten Inhaltsstoffen des Johanniskrauts und wird heute erfolgreich zur Behandlung leichter bis mittelgradiger depressiver Episoden sowie bei vorübergehender geistiger Erschöpfung eingesetzt. Da es stimmungsaufhellend sowie angstlösend wirkt und dabei oft besser verträglich ist als manche synthetische Präparate, genießt es in der modernen Heilkunde ein hohes Ansehen.
Neben diesen psychischen Effekten besitzt Hypericin zudem wertvolle entzündungshemmende und antibakterielle Eigenschaften, die es zu einem idealen Helfer für die Hautpflege und die Unterstützung der Wundheilung machen.
Botanisch gesehen dient die typische Rotfärbung beim Zerdrücken der Knospen zudem als wichtigstes Erkennungsmerkmal, um das heilkräftige „Tüpfel-Johanniskraut“ sicher von anderen, wirkschwächeren Arten zu unterscheiden
Das Rezept für dein hausgemachtes Johanniskrautöl
Du benötigst:
- Ein Braunglas (mindestens 500 ml Fassungsvermögen), um die wertvollen Inhaltsstoffe vor Licht zu schützen.
- Hochwertiges Olivenöl Extra-Vergine.
- Frisches Johanniskraut: Verwende die oberen Triebe des blühenden Krauts inklusive Blüten, Knospen, den noch grünen Samenkapseln und Blättern

Die Zubereitung:
- Lass das Kraut nach dem Sammeln kurz anwelken, zupfe oder schneide es klein. Wichtig: Verwende unbedingt frische Pflanzen! Der Inhaltsstoff Hyperforin, der neben dem Hypericin für die antibakterielle Wirkung sorgt, geht beim Trocknen verloren.
- Fülle dein Braunglas zu etwa zwei Dritteln mit dem zerkleinerten Kraut und gieße das Olivenöl darüber, bis alles vollständig bedeckt ist.
- Decke das Glas für die ersten 7 Tage nur mit einem Gaze- oder Baumwolltuch ab. So kann die restliche Pflanzenfeuchtigkeit entweichen, ohne dass das Öl ranzig wird. Stelle es an einen warmen, aber dunklen Ort. Schwenke das Glas täglich sanft, damit die Wirkstoffe optimal ins Öl übergehen.
- Verschließe das Glas nach einer Woche fest mit einem Deckel und lass es für weitere 7 Tage ziehen.
- Nach insgesamt 14 Tagen seihst du das Öl ab. Presse das Pflanzenmaterial beim Abseihen nicht aus! So verhinderst du, dass doch noch eventuell vorhandenes Restwasser ins Öl gelangt, was die Haltbarkeit verkürzen würde.
Bewahre dein fertiges Johanniskrautöl in einem sauberen Braunglas auf. Bei guter Lagerung ist es etwa 9 Monate haltbar.
Anwendung:
Dein Johanniskrautöl ist ein echtes Multitalent: Es wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und zellregenerierend.
- Seine wundheilenden Eigenschaften wirken unterstützend bei Schürfwunden, leichten Schnittverletzungen, Sonnenbrand oder leichten Verbrühungen.
- Als Einreibung hilft es wunderbar bei Verspannungen, Muskelkater, Hexenschuss oder bei Ischiasbeschwerden.
Wechselwirkungen und Nebenwirkungen
- Lichtschutz: Johanniskraut macht die Haut lichtempfindlicher (Photosensibilisierung). Trage das Öl daher am besten abends auf oder schütze die behandelten Stellen vor direkter Sonne, um Hautreaktionen zu vermeiden.
- Achtung bei Medikamenten: Johanniskraut aktiviert Stoffwechselprozesse, die den Abbau anderer Medikamente beschleunigen können. Dies betrifft unter anderem die Antibabypille, Blutverdünner oder Antidepressiva. Halte bei der Einnahme mindestens 30 bis 60 Minuten Abstand zu anderen Medikamenten und halte im Zweifel Rücksprache mit deinem Arzt.
Mit diesem selbstgemachten Öl hast du die gespeicherte Sonnenenergie des Sommers immer griffbereit – ein sanfter und kraftvoller Helfer für das ganze Jahr!
Wichtiger Hinweis: Die Hausmittel und Rezepturen sind als Inspiration gedacht und wurden nach bestem Wissen zusammengestellt. Bitte beachte jedoch, dass sie keinen Arztbesuch ersetzen. Besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft oder bei ernsten Beschwerden sollte eine Anwendung immer vorab medizinisch abgeklärt werden, auch um mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden. Bitte verwende nur Pflanzen, die du zu 100 % sicher bestimmen kannst. Die Nutzung meiner Rezepte und Anleitugen erfolgt auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. Es wird keine Haftung übernommen.

